Kräuter und ihre Geheimnisse

Viel Wissenschaft & ein wenig Zauberpoesie

Autor: monika Seite 1 von 2

Kartoffeln – wärmend und kühlend

Herbstzeit ist Kartoffelzeit – und darum stand die tolle Knolle neben vielen anderen Kräutern und Gemüsen auf dem Programm der Oktobereinheit der Gartenapotheke mit Ursel Bühring  im Bildungshaus St. Ulrich. Wellness pur für den schmerzenden Rücken, muskelkatergeplagte Beine, kalte Füße oder den  hustengeschüttelten Brustkorb: Das „Bauernfango“ mit heißen Kartoffeln. In der Schale gekochte heiße Kartoffeln werden dafür  in ein Papierküchentuch und danach in ein Geschirrtuch eingewickelt und dann vorsichtig zu einer zwei bis drei Zentimeter dicken Auflage zerdrückt. Die Auflage sollte so groß sein wie die schmerzende Stelle, die Packung wird mit einem Schal fixiert. Vorsicht beim Auflegen: Die Kartoffeln sind sehr heiß! Darum sollte der Kartoffelwickel auch nicht bei kleinen Kindern, die sich noch nicht äußern können, bei sehr alten Menschen oder Menschen mit Sensibilitätsstörungen angewendet werden.  Dafür hält die Wärme lange vor und dringt tief in den Körper ein.

Aber Kartoffeln können nicht nur wärmen, sondern auch kühlen – beispielsweise verbrannte Kinderfinger. Dafür höhlt man eine rohe Kartoffel so weit aus, dass der schmerzende Finger hineinpasst. Die Kartoffel kühlt und hält die Haut feucht. Im Seminar im Schwarzwald haben die Teilnehmerinnen der Kartoffeln überdies witzige Gesichter geschnitzt – ein wunderbarer Trost für kleine Unglückswürmer.

 

 

Freiburger Heilpflanzenschule zieht um

Die Freiburger Heilpflanzenschule hat ab Februar 2021 ein neues Domizil: Sie zieht ins so genannte Jesuitenschloss in Merzhausen, einer Nachbargemeinde von Freiburg. Wegen des Umzugs – der neue Veranstaltungsort war lange ungewiss – gibt es in diesem Jahr kein gedrucktes Programm. Ab Montag, 7. September, können die geplanten Grund- und Fortbildungen und die Fachseminare jedoch online angesehen und gebucht werden.

Das Jesuitenschloss                      Foto: Wikipedia

Viele Jahre lang war die Heilpflanzenschule im Freiburger Stadtteil St. Georgen in einem ehemaligen Minengebäude ansässig. Der Umzug, wiewohl von den Besitzern Cornelia und Joachim Stern schon länger ins Auge gefasst, kam jetzt doch recht plötzlich, da die Räume vom Vermieter gekündigt worden sind.Die Sterns sind jedoch sehr optimistisch: „Zeiten des Wandels sind auch immer Zeiten der Orientierung, der Chancen, des Neubeginns! Es sind Zeiten, sich seiner selbst bewußt zu werden, um selbstbewußt Neues, das sich zeigt, zu ergreifen“, heißt es im jüngsten Newsletter der Schule.

www.heilpflanzenschule.de

 

Zauberhafte Gartenapotheke im alten Kloster

Es waren ganz besondere Tage mitten im Schwarzwald: Das Seminar „Gartenapotheke“ mit Ursel Bühring im ehemaligen Kloster St. Ulrich bei Freiburg. Der erste Teil des Seminars, für März geplant, war coronabedingt ausgefallen. Im Juli nun konnte es stattfinden, unter strengen Hygieneauflagen. Große Abstände im Seminarraum, Masken, wenn man sich beim Salbenmischen und der Tinkturenherstellung näher kam. Die Landvolkshochschule sorgte dafür, dass sich die verschiedenen Gruppen, die zu Gast waren, nicht mischten. Kursbetrieb in der Krise, etwas eingeschränkt, aber hochinteressant.

Ursel Bühring  zeigt, wie man eine Tinktur ansetzt – selbstverständlich mit Maske

Die „Hauptattraktion“ war natürlich Ursel Bühring selbst. Drei Tage lang hat die 70-Jährige erzählt, diskutiert, Handgriffe  gezeigt – immer mit Begeisterung, immer mit fundiertem Wissen, immer die Teilnehmer ernst nehmend. Im Mittelpunkt standen die Sommerkräuter – vom Steinklee bis zur Kapuzinerkresse. Besonders witzig: Naturkosmetik mit Sommerfrüchten. Der Hautbalsam aus frischen Himbeeren, Honig und Sahne hat – gefühlt – drei Monate jünger gemacht!

Die „Gartenapotheke“ mit Ursel Bühring gibt es auch im nächsten Jahr wieder . Der Kurs kostet inklusive Unterkunft und Verpflegung 760 Euro im Einzelzimmer, er läuft zu drei Terminen über insgesamt acht Tage. Ein Tipp: Wer Ursel Bühring „live“ erleben möchte, sollte diesen Plan nicht auf die lange Bank schieben. Wie man hört, will sie künftig ein bisschen kürzer treten . . .

www.bildungshaus-kloster-st-ulrich.de

Die Rosskastanie

Die Samen der Kastanie sind ein hervorragendes Venenmittel.

Wozu braucht es Meister Propper, wächst doch im Garten die Rosskastanie?

In der Tat: Die glänzend-braunen Samen der Rosskastanie können nicht nur Putzmittel ersetzen, sondern genauso Schampoo, Waschmittel und Duschgel. Sie enthalten, ähnlich wie Seifenkraut, sehr viele Saponine. Schüttelt man ein Gefäß mit zerkleinerten Stücken der Samen, bildet sich ein stabiler Schaum. Seine Haupt-Eigenschaft: Er setzt die Oberflächenspannung von Flüssigkeiten herab. Dadurch können sich Wäsche und Wasser sehr viel besser durchdringen als ohne diesen Zusatz. Schmutz löst sich, die Wäsche wird sauber. Einziger Nachteil: Rosskastanien duften nicht. Aber ein paar Tropfen ätherisches Öl beheben dieses Manko.

Die Saponine in der Rosskastanie sind es auch, die sie zu einer wichtigen Heilpflanze machen. Aescin, eine Mischung aus 30 verschiedenen Triterpensaponinen der Rosskastanie, wirkt gefäßverstärkend, gefäßabdichtend (antiexsudativ), schützt vor Ödemen (Blutstau), steigert die Spannkraft der Venen (venentonisierend) und ist entzündungshemmend. Darum ist Rosskastaniensamenextrakt eines der wichtigsten Mittel bei Venenleiden. Die Kommission E empfiehlt Kastanien ausdrücklich bei chronisch venöser Insuffizienz, bei Wadenkrämpfen, Juckreiz und Beinschwellungen. Auch vor langen Flugreisen empfehlen die Autoren des “Leitfadens” Rosskastaniensamen, um Venenproblemen vorzubeugen. Manche Untersuchungen legen nahe, dass die Wirkung der Rosskastanie ähnlich effektiv sein kann wie Kompressionsstrümpfe. (Cochrane, 14. 11. 2012)

Kastanien können mächtige Bäume werden.

Entscheidend bei der Behandlung von Venenleiden ist der Aescin-Gehalt der gewählten Medikamente. Schilder u.a. empfehlen eine Tagesdosis von 100 mg. Verwendet werden innerlich ehanolisch-wässrige Extrakte (zwei mal täglich 250 bis 312,5 mg) in retardierter (verzögerter) Darreichungsform. Bei der inneren Anwendung werden in Einzelfällen Juckreiz, Übelkeit, Magenbeschwerden als Nebenwirkungen beobachtet, Kontraindikationen sind keine bekannt. Alternativ oder ergänzend zur innerlichen Einnahme können äußerlich Salben mit Rosskastanienextrakt oder reinem Aescin verwendet werden. Selbstmedikationen bei der innerlichen Einnahme sollten unterbleiben, denn Rosskastanien sind bei Überdosierung schwach giftig. “Es kommt zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen. Nach Literaturangaben wurden Hautrötung, weite Pupillen, Angstgefühle und Schläfrigkeit nach Roßkastaniengenuß beobachtet”, heißt es auf der Internetseite der Informationszentrale gegen Vergiftungen. Tropfen für den äußerlichen Gebrauch können dagegen selbst hergestellt werden. Ein Rezept für ein Venenspray gibt es im Tinkturenbuch von Rudi Beiser und Helga Ell-Beiser. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Rosskastanie nicht verwendet werden, da es keine entsprechenden Untersuchungen gibt. Menschen, die Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen, sollten sich vor der Verwendung von Rosskastanienextrakt mit ihrem Arzt beraten. Die Saponine der Rosskastanie dürfen auf keinen Fall in die Blutbahn gelangen, da schon geringe Dosen die roten Blutkörperchen zerstören können. Darum ist bei Geschwüren im Magen und im Darm Vorsicht geboten.

Kastanienknospen kurz vor dem Aufgehen

Ein paar Takte zur Geschichte: Erst ab dem 16. Jahrhundert verbreitete sich die Kastanie in Europa, ab dem 18. Jahrhundert wurde sie zum Modebaum für Alleen und Parks, im 19. Jahrhundert kam sie in die “Volksgärten” und ist heute noch Wahrzeichen eines jeden anständigen Biergartens. “Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die gesamten in Europa angepflanzen Kulturbäume der Gewöhnlichen Rosskastanie von den 1576 nach Wien mitgebrachten Samen abstammen”, heißt es bei Wikipedia.

So verbreitet der Baum in Mitteleuropa mittlerweile ist – sein Bestand ist alles andere als gesichert. Die Rosskastanienminiermotte, die die Blätter befällt, breitet sich seit den 80er Jahren aus und schwächt die Bäume. Und seit einigen Jahren befällt das Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi die Rinde. Es kann ganze Bäume zum Absterben bringen, effektive Gegenmaßnahmen fehlen. “Die ersten Großstädte kapitulieren bereits und pflanzen kaum noch nach”, heißt es in “Spiegel online” vom 2. November 2016.

Dabei ist die Kastanie – die übrigens nichts mit der essbaren Edelkastanie zu tun hat außer einer oberflächlichen Ähnlichkeit der Samen – wohl neben Tanne und Fichte der beliebteste Baum in Mitteleuropa. In jedem Biergarten stehen Kastanien, in jedem Kindergarten wird mit ihnen gebastelt, Jäger und Zoos verfüttern sie an Wildtiere, Schreiner nutzen ihr Holz. Früher färbte man mit Blättern und Rinde der Kastanie Schafwolle. Und angeblich nutzten die Engländer in beiden Weltkriegen Kastanien, um aus ihnen Aceton zu gewinnen, das zur Herstellung eines Sprengstoffs diente.

Was wäre ein Frühling ohne die Blütenkerzen der Kastanie?

Auf die letztgenannte Nutzung könnte man getrost verzichten. Aber nicht nur für die Medizin, nicht nur für die Putzteufel unter dem umweltbewussten Hausfrauen wäre das Verschwinden der Kastanie ein unersetzlicher Verlust. Denn was wäre ein Frühling ohne die leuchtend-weißen, duftenden Blütenkerzen des Baumes, ein Herbst ohne die glänzend-braunen Samen in ihren grün-stacheligen Schalen?

Langweilig!

 

 

 

Literatur:

Beiser, Rudi, Ell-Beiser, Helga: Heilpflanzen-Tinkturen, Stuttgart 2017

Bühring, Ursel: Praxislehrbuch Heilpflanzenkunde, Grundlagen-Anwendung-Therapie Stuttgart 2014

Grünwald, Jörg, Jänicke, Christof: Grüne Apotheke, München 2015

Schilcher, H., Kammerer, S., Wegener, T.: Leitfaden Phytotherapie, München 2010

Links:

www.arzneipflanzenlexikon.info

www.wikipedia.org

www.cochrane.org

www.cochranelibrary.com

www.baumpflegeportal.de

www.gizbonn.de

http://wirksam-oder-unwirksam.blogspot.com

www.utopia.de

www.smarticular.net

www.taz.de 11. März 2008

www.venen-liga.de

Öle, Lauge und Duft: Seifensieden

Seifensieden macht Spaß, ist spannend und lädt zum Experimentieren ein mit Düften, Farben und Kräutern.

Natürlich braucht es erst ein wenig Theorie. Bücher zum Thema gibt es genug. Ich habe mir die Anleitung von Claudia Kasper mit dem Titel „Naturseife – das reine Vergnügen“ ausgesucht (Freya-Verlag 2019). Das Buch informiert über Grundlagen der Seifenherstellung, hat aber auch zahllose Rezepte mit praktischen Hinweisen. Ich habe mich am Rezept für die Salbei-Rosmarin-Seife mit Olivenöl orientiert. Allerdings habe ich diesmal nur Rosmarin verwendet, denn ich hatte noch Rosmarinhydrolat, das ich anstelle des destilierten Wassers verwendet habe. Und es hat geklappt: Die Seife, die jetzt noch vier Wochen reifen muss, duftet intensiv nach Rosmarin.

In einer solchen Holzkiste reift die Seife 24 Stunden lang. Danach hat sie die richtige Konsistenz zum Schneiden.

Und so geht es:
Weil ich sehr viel Rosmarin im Garten habe, habe ich zunächst etwa drei Hände voll klein geschnittener Rosmarinnadeln in einem Liter Olivenöl bei etwa 70 Grad eine halbe Stunde lang ausgezogen. Gleichzeitig habe ich drei Esslöffel Nadeln so fein wie möglich gehackt und in etwas Olivenöl eingeweicht.

Für die Seifenbereitung habe ich dann 270 Gramm Ätznatron (heißt auch Natronlauge, Natronhydrat, chemische Formel: NaOH) in Pulverform abgewogen und in 660 Gramm Rosmarinhydrolat aufgelöst (wer kein Hydrolat hat, nimmt destilliertes Wasser). Achtung: Immer das Laugenpulver in die Flüssigkeit geben, niemals umgekehrt. Bei dieser Prozedur sind Gummihandschuhe, eine dicke Schürze und eine Schutzbrille für die Augen unverzichtbar, denn die Lauge ist sehr ätzend. Immer Essig zum Neutralisieren und klares Wasser zum Ausspülen griffbereit haben, falls doch mal ein Spritzer danebengeht. Nur mit Edelstahltöpfen oder Emailletöpfen arbeiten, da die Lauge zum Beispiel Aluminium angreift. Die Flüssigkeit wird sehr heiß, sie muss, um sie weiterzuverarbeiten, unter gelegentlichem vorsichtigen Rühren auf Zimmertemperatur abkühlen.

Währenddessen das Olivenöl abseihen und abkühlen lassen. 300 Gramm Kokosöl und 300 Gramm Palmöl – beides sind, obwohl Öle genannt, Fette, die bei Zimmertemperatur fest sind – in einem Topf schmelzen lassen. Das Olivenöl, 300 Gramm Rapsöl und 100 Gramm Sonnenblumenöl zugeben, alles gut verrühren. Die Ölmischung sollte etwa 35 bis 40 Grad heiß sein. Nun langsam unter Rühren die Laugenmischung zugeben. Dabei den Schutz tragen! Wenn die Mischung mit dem Löffel gut verrührt ist, mit einem Stabmixer so lange weiterrühren, bis die Mischung die Konsistenz eines dünnen Puddings hat. Bei mir hat das etwa 20 Minuten gedauert.
In diesen Seifenpudding werden jetzt die eingeweichten Rosmarinnadeln und ätherisches Rosmarinöl unter langsamem Rühren zugegeben. Wieviel Rosmarinöl man verwenden will, ob man es mit anderen ätherischen Ölen mischt, bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Wer  Seifen mit kleinen Bitzeln nicht mag, lässt einfach die Roismarinnadeln weg.

Diesen Seifenpudding, der zu diesem Zeitpunkt senfgelb ist, habe ich dann in eine Holzform gegossen, die mein Mann mir geschreinert hat und die ich vorher mit Frischhaltefolie ausgekleidet habe. Alternativ eignen sich wohl auch Plastikformen, insbesondere Silikonformen.  Diese Form habe ich in eine dicke Decke eingepackt, denn die Seife entwickelt in diesem Stadium Wärme, die möglichst lange zusammengehalten werden soll (außer bei Milchseifen).

Der Trockenapparat für Kräuter eignet sich auch für Seifen.

Ergebnis nach 24 Stunden: Die Seife in der Holzform war so fest, dass sie nun in handliche Stücke geschnitten werden konnte. Der äußere Rand war tief dunkelgrün, während die Seife innen noch gelblich war.

Das war vor einer Woche. Seither werden die Seifenstücke immer grüner und riechen angenehm nach Rosmarin. Sie müssen nun noch etwa fünf Wochen reifen. Ich habe sie dafür in meinen Kräutertrockenapparat gepackt, der aus gazebespannten Holzrahmen besteht. An einem trockenen und luftigen Ort trocknen sie nun weiter.

 

PS: Nach dem Reifen waren die Seifenstücke sehr angenehm zum Händewaschen. Die Rosmarinnadeln ergaben einen leichten Peelingeffekt. Nach einigen Monaten hat sich allerdings herausgestellt, dass die Seifen extrem lichtempfindlich sind. Ich hatte einige Stücke ungeschützt im Regal liegen, sie sind verblasst und riechen leicht ranzig. Darum: Dunkel aufbewahren und innerhalb von sechs bis acht Monaten verbrauchen, ehe die enthaltenen Öle verderben.

 

Seifen selbst machen

Das Seifenseminar der Volkshochschule Emsdetten-Greven-Saerbeck, das ich jüngst  besucht habe, hat mir eine ganz neue Verwendungsart für Kräuter gezeigt: Mit Kräutern lassen sich wunderbar pflegende und dekorative Seifen zaubern.

Dekorative Seifen sind beim Seminar mit Susanne Schnieders (Hintergrund) entstanden.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Beim Seifenseminar mit Susanne Schnieders haben wir keine Seife aus Rohstoffen hergestellt, sondern fertige Seifenflocken aus reiner Kernseife verwendet, die es in Bastelgeschäften, in Apotheken oder im Internet zu kaufen gibt. Für ein ordentliches Stück Seife benötigt man 90 Gramm dieser Flocken, dazu ein Esslöffel Öl, zwei Esslöffel warmes Wasser oder Kräutertee, fünf bis acht Tropfen ätherisches Öl und eventuell etwas Lebensmittelfarbe. Alle Zutaten werden auf einem Tisch oder Holzbrett kräftig miteinander verknetet und dann in Metallformen gepresst, die vorher gut eingeölt worden sind. Mit einem eingeölten Gummistempel, den es in Bastelgeschäften oder im Internet zu kaufen gibt, ein Motiv hineingedrückt, den Seifenblock aus der Form gelöst – fertig. Herausgekommen sind Seifen in allen Farben und Tönen, in den verschiedensten Duftnoten und hergestellt mit verschiedenen Ölen. Mit Bändern aus Bast und Untersetzern aus Schieferplatten oder Keramik  können daraus die nettesten Geschenke gezaubert werden.

Ein paar Tipps, die sich im Laufe des Abends ergeben haben: An Öl kann eigentlich jedes beliebige Pflanzenöl verwendet werden. Sonnenblumen- oder Distelöl beeinflussen die Farbe und den Geruch der Seifen gar nicht, während Kürbiskernöl sie kräftig grün macht. Ich habe für meine grüne Seife Kürbiskern- und Olivenöl je zur Hälfte gemischt und damit einen zarten tannengrünen Ton erzielt. Das Problem: Kürbiskernöl riecht kräftig nach Nüssen. Ich habe einige Tropfen japanisches Heilöl dazugetan – der Duft war nicht berauschend, wahrscheinlich sollte man besser auf ein Zusatzaroma verzichten. Als Heilkräuterhexe habe ich mir vorgenommen, demnächst mit besonders hautfreundlichen Ölen zu experimentieren – mit Nachtkerzenöl oder Granatapfelkernöl oder Sanddornöl beispielsweise.

Allerdings muss man sagen, dass umstritten ist, ob sich Seife generell für empfindliche Körperstellen oder für die Problemhaut als Reinigungsmittel eignet. Schließlich ist Seife eine Lauge, während die Haut ein saures Milieu hat. Es gibt allerdings Erfahrungsberichte von Leuten mit Neurodermitis oder Psoriasis oder Allergien, die mit eigenen Produkten gute Erfahrungen machen, fehlen der Kernseife doch hautreizende künstliche Aromen und Konservierungsstoffe. Darum gilt wie so oft: Ausprobieren und genau beobachten, was passiert. Und zum Händewaschen oder auch einfach als Deko im Badezimmer machen sich die selbst hergestellten Seifen prima.

Mir selbst ist beispielsweise eine Seife mit einigen Tropfen Lebensmittelfarbe in Flieder sehr gelungen und ist jetzt Blickfang im Badezimmer. Aromatisiert mit einigen Tropfen Rosen- und einigen Tropfen Lavendelöl und dekoriert mit pulverisierten Granatapfelblüten ist sie ein Schmankerl für Augen und Nase. Ein Problem kann es sein, die Seife aus der Form zu lösen, ohne sie zu verformen. Wenn ich demnächst zu Hause experimentiere, werde ich die Formen einige Zeit in den Kühlschrank legen, ehe ich die Seife herausdrücke. Ich hoffe, dann funktioniert es leichter. Außerdem werde ich Naturfarben aus Kräutern zum Färben nehmen  – etwa Tagetes, Heilziest, Salbei, Alant, Färberdistel und Rote Bete. Natürlich wird über das Ergebnis an dieser Stelle berichtet!

Tipp: Susanne Schnieders gibt im Laufe des Sommers bei der Volkshochschule Emsdetten (www.vhs-egs.de) und der VHS Lengerich (www.vhs-lengerich.de) weitere Seminare zum Thema Seifenherstellung. Anmeldungen sind ab sofort möglich!

Nachtrag nach zwei Wochen: Der merkwürdige Geruch der Kürbiskernseife hat sich verflüchtigt. Sie richt jetzt sehr angenehm nach Teebaumöl.

Steinklee für die Lymphe

In diesen Tagen habe ich eine tolle Erfahrung mit dem echten Steinklee gemacht. Meine Mutter hat sich den Arm gebrochen, und in den Wochen danach waren Arm und Hand dick angeschwollen. Ein Versuch mit der Ceres Urtinktur Steinklee (Meliloti herba) zeigte binnen weniger Tage Erfolg: Die Hand war komplett abgeschwollen, der Arm deutlich weniger dick als zuvor.

Echter Steinklee (Melilotus herba). Quelle: Wikipedia

Ich hatte ihr dreimal täglich drei Tropfen der Urtinktur gegeben. Die Folge war leichter Durchfall, darum habe ich sie abgesetzt. Allerdings wurde daraufhin der Arm wieder dicker. Mit drei Tropfen morgens und drei Tropfen abends haben wir dann eine Dosis gefunden, die wirkt, ohne den Darm zu sehr anzuregen.

Echter Steinklee wird auch von der Kommission E empfohlen bei Lymphstauungen, und zwar unterstützend zu Lymphdrainagen und Kompressionen. Auch bei chronisch venöser Insuffizienz – vor allem bei Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtlichen Wadenkrämpfen, Juckreiz und Schwellungen kann echter Steinklee helfen. Er kann bei der Behandlung des postthrombotischen Syndroms und bei Hämorrhoiden unterstützend wirken. Bei Prellungen, Verstauchhungen und oberflächlichen Blutergüssen empfiehlt die Kommission E eine äußere Anwendung. Ursel Büring empfiehlt in ihrem „Praxislehrbuch Heilpflanzenkunde“ dafür entweder Kompressen aus Steinkleekrauttee. Alternativ könnten Kataplasmen helfen. Dafür werden drei Esslöffel Steinkleekraut mit 150 ml heißem Wasser gut durchfeuchtet und dann, etwas abgekühlt, auf die geschwollenen Stellen aufgebracht und mit einem Tuch werden. Ich habe das ausprobiert – mit dem Ergebnis, dass nach dem Abtrocknen im ganzen Wohnzimmer Steinkleekrümel verteilt waren. Aber der Erfolg – in Kombination mit der Urtinktur – zeigte sich schnell.

Der Hauptwirkstoff im Gelben Steinklee sind, neben Flavonoiden und Saponinen, die Cumarine. Schnuppert man an der Tinktur, riecht sie intensiv nach Waldmeister – die Cumarine lassen grüßen. Um eine exakte Dosis dieser wirksamen Cumarine zu bekommen, empfehlen die Experten Fertigarzneimittel. Denn zu viele Cumarine können, so wird vermutet, leberschädigend sein, während eine zu niedrige Dosis unwirksam ist. In seltenen Fällen können als Nebenwirkungen Kopfschmerzen auftreten.

Trotz dieser Einschränkungen müssen Kräuterhexen keineswegs komplett die Finger vom Stienklee lassen.  Sie können aus der Pflanze  Steinklee-Öl  zaubern, das bei müden und schmerzenden Beinen und bei Wadenkrämpfen äußerlich helfen kann, ohne dass gefährliche Nebenwirkungen zu erwarten sind. Dafür wird frisches, blühendes Steinkleekraut sehr klein geschnitten und in ein Schraubglas gegeben. Man fügt so viel Olivenöl hinzu, dass das Kraut gut bedeckt ist, lässt es vier bis sechs Wochen an einem warmen Ort ausziehen und schüttelt es täglich mehrmals. Danach wird das Öl abgefiltert und in dunklen Flaschen aufbewahrt. So hält es sich bis zu einem Jahr. Tipp: Kombiniert mit Rosskastanienauszügen wirkt es noch besser.

Quellen:

Schilcher/Kammerer/Wegener: Leitfaden Phytotherapie 4/2010
Ursel Bühring: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde, 4/2014

 

 

 

 

 

Einmaleins der Wildkräuterküche

Monika Wurft ist Kräuterpädagogin und Absolventin der Freiburger Heilpflanzenschule, führt als Schwarzwaldguide seit vielen Jahren Interessierte durch ihre Heimat und bietet Kurse und Vorträge an. In ihrem Buch stellt sie 30 essbare Wildpflanzen vor, aus denen sich Ungewöhnliches, aber Köstliches zubereiten lässt. Kennen Sie Brennnesselkaviar – übrigens ein Mittel, das die Liebe beflügeln soll? Haben Sie schon mal Gänseblümchengelee probiert? Wissen Sie, wie würzig Schafgarbenbutter schmeckt? Und wie lecker Mädesüßsahne? Haben Sie schon mal einen Blütenquark zum Nachtisch serviert? Nein? Bei Monika Wurft finden Sie jede Menge Ideen.

Besonders schön: Monika Wurft illustriert ihr Buch mit vielen eigenen Fotos, die die vorgestellten Wildpflanzen zu verschiedenen Jahreszeiten zeigen. Das ist eine große Hilfe beim Selbersammeln. Außerdem gibt die Schwarzwälderin, die einen sehenswerten Kräutergarten ihr eigen nennt, viele Hinweise zum Anbau und zum Sammeln der Wildkräuter. Alle Infos werden übersichtlich präsentiert, es macht einfach Spaß, in dem 140 Seiten starken Buch zu blättern, sich inspirieren zu lassen – und dann mit einem Korb rauszugehen, um zu sehen, was die Natur an Essbarem bietet. Wie sagt Monika Wurft so gern? „Machen wir uns doch schnell einen Ums-Haus-rum-Salat!“

Übrigens: Unter www.monika-wurft.de vertreibt die Autorin Postkarten mit selbst fotografierten Wildkräutermotiven. „Mein Wildkräuterbuch“, erschienen im Ulmer-Verlag, kostet 16,90 Euro. Es erscheint im März bereits in der zweiten Auflage und ist mittlerweile auch ins Tschechische und Holländische übersetzt.

 

Meerrettich-Tinktur bei Blasenproblemen

Ich finde, Phytobiotika, also pflanzliche Antibiotika, sind ein sehr gutes Mittel für Frauen, die zu Blasenentzündungen neigen. Beim ersten Anflug von Beschwerden  nehme ich eine Mischung aus Kapuzinerkresse- und Meerrettichtinktur – im Handel auch als Fertigpräparat in Tablettenform erhältlich – und trinke einen Tee aus Bärentraubenblättern, Goldrute und Brennnessel. Meist erledigt sich das Problem dann binnen weniger Tage. Achtung: Bärentraubenblätter dürfen höchstens fünf Tage nacheinander und höchstens fünf Mal im Jahr verwendet werden, denn bei regelmäßiger Einnahme können Schäden für Leber und Erbgut nicht ausgeschlossen werden. Und ganz wichtig: Wenn die Blasenprobleme nicht schnell abklingen oder gar die Nieren schmerzen, muss unbedingt ärztliche Hilfe gesucht werden.

Zutaten für eine Meerrettich-Tinktur:

Etwa 100 Gramm Meerrettichwurzel
etwa 200 ml Ethanol, ca. 60 %

Zubereitung:

Den Meerrettich fein schneiden oder in der Küchenmaschine fein raspeln. In ein Glasgefäß füllen, mit dem Alkohol übergießen. Der Meerrettich sollte komplett bedeckt sein, im Zweifel noch etwas Alkohol nachgießen. Etwa zehn Tage an einen warmen Ort stellen. Mehrmals täglich umrühren.

Danach den Alkohol, in den nun die Wirkstoffe des Meerrettichs übergegangen sind, abfiltern und in dunkle Tropffläschchen füllen. Kühl und dunkel aufbewahrt, hält sich die Tinktur bis zu zwei Jahren. Bei Bedarf drei- bis fünfmal täglich 20 Tropfen in Blasentee einnehmen. Besonders wirkungsvoll ist die Meerrettich-Tinktur in Kombination mit einer Tinktur aus frischer Kapuzinerkresse. Übrigens: Verdünnte Meerrettichtinktur eignet sich auch zum Einreiben bei Muskelschmerzen – die Senföle regen die Durchblutung an.

 

Das Versprechen

Rita Röthlins neuer Heilpflanzenkalender ist ein Versprechen – ein Versprechen, dass es bald wieder Frühling wird. Er weckt Erinnerung an duftende Kräutergärten, und unwillkürlich werden sich die Leser Listen machen, was sie im nächsten Jahr alles anpflanzen wollen.

Auf 52 Seiten stellt die Schweizerin, Absolventin der Freiburger Heilpflanzenschule, zwölf wichtige Heilkräuter vor, von der Brennnessel bis zur Zaubernuss. Makroaufnahmen der Blüten lassen die scheinbar bekannten Pflanzen plötzlich in einem ganz neuen Licht erscheinen. Die gelernte Gärtnerin bietet botanisches Wissen, gibt Pflegehinweise, informiert über Erntezeiten. Die Phytopraktikerin kennt die Inhaltsstoffe, weiß, gegen welches Zipperlein die Kräutlein helfen, gibt aber auch Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen.

Rita Röthlin

Besonders schön: Die zahlreichen Rezepte nicht nur für Tees und Tinkturen, sondern auch für Wellness- und Schönheitsprodukte – von Rita Röthlin, die selbst Entspannungsmassagen anbietet, zum Teil selbst komponiert.  Außerdem gibt die Autorin für jeden Monat Erntehinweise auch für Pflanzen, die sie in ihrem Kalender nicht näher vorstellt. Doch wer weiß: 2021 kommt gewiss – und damit vielleicht ein weiterer Kalender mit noch mehr Heilpflanzenwissen von Rita Röthlin.

>Der Kalender „Mit Heilpflanzen durchs Jahr“ von Rita Röthlin kann unter www.kräuter-wunder.ch für 39 Franken (etwa 35,50 Euro) zuzüglich Versandkosten bestellt werden.

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